Germany 40: Der Aufwärtstrend ist intakt, aber...

Germany 40: Der Aufwärtstrend ist intakt, aber...

Eine Einschätzung von Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst CMC Markets Germany GmbH:

Die US-Wirtschaft steht mit einem Bein in der Rezession. Die Verwirrung des Mittelstands ist greifbar, die Rezessionsrisiken haben sich in den letzten zwei, drei Wochen quasi verdoppelt. Wir sehen Hamsterkäufe ohne Ende, zum Beispiel bei Gold, das tonnenweise von London nach New York verschifft wird, weil jeder weiß, dass das mit den neuen Zöllen bald sehr viel teurer werden wird. Das gilt auch für alle anderen Waren. Diese Hamsterkäufe werden die Handelsbilanz so stark verzerren, dass das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal vermutlich stark negativ sein wird. Danach weiß noch niemand, wie es weitergeht.

Fakt ist: Die Leute sind stark verunsichert. Die Aktienkurse sind stark gefallen, das kommt in den USA nicht gut an. Wenn die Mittelschicht aus Angst zwanghaft zu sparen beginnt, ist die Rezession da.

Was sind die globalen Auswirkungen des Handelsstreits?

Es endete gerade das erste Treffen seit fünf Jahren zwischen Südkorea, Japan und China an. Das sind keine Länger, die man normalerweise zusammen an einem Tisch sieht. Sie wollen näher zusammenrücken, um unter anderem Computerchips stärker untereinander zu handeln. Sie reden über die Beschleunigung der Fertigstellung eines bereits seit längerer Zeit im Raum stehenden Freihandelsabkommens. Dabei wollten die USA China vom Erwerb von moderner Halbleiter-Technologie abhalten. Trumps Politik hat also Auswirkungen, die den Absichten diametral entgegenstehen. Es gilt halt nicht nur, dass sich Trump mit der ganzen Welt anlegt, sondern auch, dass die ganze Welt gegen Trump steht. Wozu das führt, ich weiß es nicht. Eine erneute Rezession in Deutschland ist aber nicht auszuschließen, wenn aus dem Zollstreit ein echter weltweiter Handelskrieg wird.

Was heißt das für Wall Street?

Die Privatanleger, die sonst immer bei Rücksetzern Tesla, Nvidia und andere Aktien kauften, kaufen aus Angst keine Rücksetzer mehr. Solange das Rezessionsgespenst auf dem Parkett wütet wird sich daran wohl übergeordnet auch kaum mehr etwas ändern. Jetzt gibt es zwei Strohhalme, an die sich die Anleger klammern.


- Erstens kann es nämlich sein, dass trotz neuer Zölle gar keine Rezession in den Wirtschaftsdaten der nächsten Wochen zu sehen sein wird. Das kann schon bei den Arbeitsmarktdaten, die am Freitag kommen, anfangen. Dann könnten wir eine sehr scharfe Rally bei den Kursen in New York sehen.
- Zweitens könnte die Federal Reserve ihre Geldschleusen wieder öffnen, in dem Versuch, Schlimmeres zu verhindern. Beides sind Chancen, dass sich die Kurse stark erholen.

Aber der Zeitpunkt ist noch zu früh dafür, die Bedinungen sind noch nicht vorhanden.

Aussichten für den Germany 40

Der Germany 40 hat jetzt erst einmal die wichtige Unterstützung von rund 22179 Punkten gehalten. Damit haben wir weiter einen intakten Aufwärtstrend. Die Autohersteller werden wohl am stärksten unter den Zöllen leiden, die Aktien von BMW, Volkswagen, Porsche sind schon stark gefallen. Hier sind viele der schlechten Nachrichten bereits eingepreist, und es besteht die Chance auf ein Einlenken Trumps. Also im Moment sieht es nicht nach großem Ausverkauf im Germany 40 aus. Der US-Präsident - und die Reaktion der EU - haben es nun in der Hand, ob daraus nicht doch noch etwas größeres werden wird. Der übergeordnete Aufwärtstrend wird jedoch erst wieder mit dem Monatsschlusskurs Ende April unter einen Prüfstand gestellt. Ein Monatsschlusskurs darunter könnte die nächst tiefere Unterstützung bei 19313 Punkten aktivieren. Ansonsten könnte sich der intakte Aufwärtstrend fortsetzen - möglicherweise bis zum großen Ziel bei 26816 Punkten.

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